Autor: Stephan Lendi

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst dabei, die Arbeitswelt tiefgreifend zu verändern. Sie beeinflusst nicht nur, wie wir Aufgaben erledigen, sondern stellt auch neue Anforderungen an Kompetenzen, Führung und Unternehmenskultur. Im AI Talk Podcast spricht Patrick Mollet, Unternehmer und Experte für KI-Kompetenzen, ausführlich über seine persönlichen Erfahrungen mit KI, die Auswirkungen auf Unternehmen und Mitarbeitende sowie die Chancen und Herausforderungen, die mit diesem Wandel einhergehen.

Der erste Kontakt mit KI: Faszination und Realismus

Patrick Mollet erinnert sich an den Moment, als er zum ersten Mal wirklich spürte, wie KI die Arbeitswelt verändert: Aufgaben, für die früher viel Denkarbeit nötig war, konnten plötzlich automatisiert erledigt werden. „Ich habe das Gefühl, dass sich Aufgaben verändern, dass sich die Zusammensetzung der Tätigkeiten verändert, aber ich glaube nicht, dass im grossen Stil Jobs komplett wegfallen.“ Für ihn steht fest: KI wird die Arbeitswelt nicht ersetzen, sondern sie grundlegend umgestalten. Es verschieben sich die Anforderungen und Tätigkeitsfelder – Routinearbeiten werden automatisiert, während kreative, soziale und komplexe Aufgaben an Bedeutung gewinnen.

Future of Work und New Work: Mehr als nur Homeoffice

Die Begriffe „Future of Work“ und „New Work“ sind für Mollet mehr als Modewörter. Er erklärt, dass New Work vor allem bedeutet, Arbeitsbedingungen und Unternehmenskultur neu zu denken: „Es geht nicht nur um Homeoffice, sondern darum, flexiblere Rahmenbedingungen zu schaffen, die Mitarbeitende motivieren und ihnen mehr Verantwortung übertragen.“ Führungskräfte sollten sich vom klassischen Manager hin zu Coaches entwickeln, die ihre Teams unterstützen und individuelle Potenziale entfalten. „Führung heisst heute, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Mitarbeitende Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln können.“

Wandel der Aufgaben: Automatisierung kognitiver Tätigkeiten

Mollet betont, dass die Angst vor Jobverlust durch KI übertrieben ist. Vielmehr verändert sich die Art der Arbeit:

Er sieht die Zukunft nicht in einer Welt ohne Arbeit, sondern in einer Welt, in der sich die Zusammensetzung der Tätigkeiten wandelt und neue Chancen entstehen.

Herausforderungen für KMU: Kompetenzen und Kulturwandel

Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor besonderen Herausforderungen. Viele sind im produzierenden Gewerbe tätig und verfügen oft über wenig technologische Affinität im Management. Zudem fehlen häufig personelle Ressourcen, um sich intensiv mit KI auseinanderzusetzen. Mollet empfiehlt, Mitarbeitenden Freiräume zu geben, neue Tools auszuprobieren, und eine Kultur des Experimentierens zu fördern: „Wir wissen alle nicht genau, was auf uns zukommt – deshalb ist Ausprobieren umso wichtiger.“ Er plädiert dafür, dass Unternehmen nicht sofort eine umfassende KI-Strategie brauchen, sondern zunächst offen für Experimente und kleine Schritte sein sollten.

KI-Tools im Alltag: Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit

KI-gestützte Tools wie Notion AI oder Fireflies AI bieten laut Mollet grosse Chancen, die Produktivität zu steigern und gleichzeitig die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen:
„Wenn wir mühsame, repetitive Tätigkeiten automatisieren, ist das sehr positiv. Kürzere, effizientere Meetings und weniger monotone Aufgaben steigern die Motivation.“ Er warnt jedoch davor, dass Produktivitätssteigerungen nicht zu Überforderung führen dürfen. Die Diskussion um die Vier-Tage-Woche findet er spannend, sieht sie aber nicht als universelle Lösung: „Wir müssen aufpassen, dass wir die Menschen nicht verheizen. Die Balance zwischen Effizienz und Wohlbefinden ist entscheidend.“

Führung im Wandel: Soft Skills und Coaching-Mindset

Die Rolle der Führungskraft verändert sich grundlegend. „Führungskräfte sollten motivieren, Potenziale entfalten und nicht nur Macht ausüben. Soft Skills und ein Coaching-Mindset werden immer wichtiger.“ Mollet beobachtet, dass insbesondere jüngere Führungskräfte Verantwortung teilen und auf Augenhöhe mit ihren Teams arbeiten wollen. Der Wandel ist jedoch ein Prozess, der Zeit und einen Generationenwechsel braucht.

Transformation in der Schweiz: Zwischen Tradition und Fortschritt

Mollet sieht in der Schweiz sehr unterschiedliche Tendenzen:

Transformation gelingt meist dann, wenn der Druck gross genug ist – sei es durch den Arbeitsmarkt, die Erwartungen der Mitarbeitenden oder den Wunsch nach mehr Sinn und Motivation in der Arbeit.

Persönlicher Umgang mit KI: Offenheit und Integration

Mollet selbst nutzt KI-Tools im Alltag, wenn auch nicht exzessiv. „Ich glaube, die Zukunft liegt darin, dass KI nahtlos in unsere Arbeitsprozesse integriert wird, ohne dass wir ständig bewusst einzelne Tools bedienen.“ Für ihn sind Offenheit, Experimentierfreude und lebenslanges Lernen die Schlüssel, um die Chancen der KI bestmöglich zu nutzen.

Patrick Mollet macht deutlich: KI verändert die Arbeitswelt tiefgreifend, schafft aber vor allem neue Chancen. Die Zukunft der Arbeit wird von veränderten Aufgaben, neuen Kompetenzen und einer menschzentrierten Führung geprägt sein. Wer bereit ist, sich weiterzuentwickeln, KI als Werkzeug versteht und eine Kultur des Lernens und Experimentierens fördert, wird erfolgreich sein.

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Über den Podcast AI Talk
AI Talk ist der Podcast über Künstliche Intelligenz in der Schweiz – mit echten Macher:innen, Expert:innen und Entscheidern aus Tech, Forschung, Politik und Wirtschaft. Moderiert von Stephan Lendi und Dalith Steiger-Gablinger beleuchtet der Podcast in jeder Folge neue Perspektiven rund um Innovation, Verantwortung und die konkrete Anwendung von KI-Technologien. Ob Ethik, Regulation, Talententwicklung oder Deep Tech – AI Talk verbindet persönliche Einblicke mit strategischem Weitblick.

 

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